Folge 2 |Der Schwechater, der den Neusiedlersee in Hainburg sucht

Warum die Strecke nach Hainburg die Stammstrecke ist, und wieso jemand den Neusiedlersee versetzt hat.

Hallo, Grüß euch! Ich bins, euer Velocipede Austriacus! Oder einfach der Gerhard!

Nachdem das Rad nun passt, ich bereits in Mannswörth war und die Stadtfahrten mit Abschluss am Kellerberg absolviert sind, geht’s nun endlich nach Hainburg. Nach langem überlegen entscheide ich mich für die Strecke durch die Lobau. Zwar ist die Strecke um ein paar Kilometer länger, erscheint mir aber leichter zu finden. Soweit, so gut. Dennoch: Einerseits fehlt mir noch ein adäquate Tour am Südufer, was früher unsere hauptsächliche Strecke war. Da die Variante , die wir damals fuhren aber mittlerweile nun ja- schlichtweg illegal ist, muss eine alternative her, aber die muss erst gefunden werden. Da ich ja gerade in Hainburg bin, fahre ich auf dem Südufer zurück nach Schwechat! – Kommt mit – begleitet mich!

Die Tour ist, wenn man die Strecke findet und nicht irgendwo in den Feldern zwischen Raps und Windräder die Orientierung verliert, knapp 38 Kilometer lang (natürlich abhängig vom Start- bzw. Zielpunkt) und dauert bei gemütlicher Fahrweise ca. 2 ½ Stunden. An und für sich ist die Tour  Ausgeschildert, es gibt aber mehrere Varianten, die in verschiedene Richtungen führen. Man folgt aber hauptsächlich dem Eurovelo 6 und dem Niederösterreichischen Radweg Nr. 54 – dem Römerland – Carnuntum Radweg. Sie beginnt asphaltiert, wechselt aber spätestens ab dem Haidentor bei Carnuntum auf Schotterstraßen bzw. Feldwege. Nicht wirklich Rennradtauglich, aber mit meinem, auf die Straße optimierten, Reiserad gut bewältigbar. Es ist somit keine reine Straßenstrecke, aber auch keine dezidierte Offroad-Strecke und auch für Kinder durchaus geeignet. Ich bin Mitten in Hainburg gestartet, beim Friedhof, ein paar Meter vom neuen Kreisverkehr vor den ehemaligen Tabakwerken Austria, auf deren Gründen sich heute ein Einkaufszentrum befindet. Genau vis-a-vis ist ein Penny. Dort orientiert man sich an der Donau, man fährt ja auch (zumindest teilweise) den Donauradweg (welcher aber auf dem Nordufer führt). Man verfolgt die Donau Flussaufwärts, bis man sich neben (und unter) der Donaubrücke entscheiden muss, ob man auf dem Nord- oder Südufer fahren möchte. Links geht es auf die Donaubrücke, rechts nach Bad Deutsch Altenburg. Diesen Abschnitt hat man nun auf der Bundesstraße zu absolvieren.

Warum nun Hainburg? Die Antwort auf diese Frage findet man in der Vergangenheit. Und schuld daran hat mein Vater. Der ist mit uns, meinen 2 Brüdern und meiner Mama, mit den Rädern nach Hainburg gefahren. Ich kenne diese Strecke aus meiner Kindheit, verknüpfe damit viele schöne Erinnerungen und damals war es die zweitlängste Strecke, die wir mit den Rädern fuhren.

Sommer 1994 in Bad Deutsch Altenburg

Länger war ,mit guten 100 Kilometern, nur noch die Neusiedlersee-Umrundung. Also jene Strecke um den See, die auf österreichischer Seite führt, meist von Rust aus in Richtung Neusiedl am See, am Seeufer entlang nah Illmitz, wo man mit der berühmten Radfähre nach Mörbisch übersetzten kann, was nicht minder bekannt ist, auch, aber nicht nur durch die Seefestspiele. Nach erfolgter Umrundung durften wir Kinder noch ein paar Stunden im Seebad verbringen. Seit jeher nennt man den Neusiedler See das Meer der Wiener. Für uns Kinder (obwohl wir diesen Ausdruck erst später kennenlernten, bzw. verstanden) war das wirklich so, für mich war das Seebad mein Urlaub in Bibione – auch deswegen weil wir ja nie auf Urlaub fuhren! Oh ja, die Geschichte hinter Hainburg ist komplex, heute verbinden mich auch meine Kinder damit. Hainburg – lag es früher in der Vergangenheit, so befindet es sich mittlerweile in der Zukunft!

Das Meer der Wiener | Der Standart.at

Man befindet sich im Ortsgebiet, und die Straße ist am Anfang, wo sie beim Thermalbad und Römermuseum vorbeiführt, Verkehrsberuhigt. Erst danach muss man auf der Straße fahren, dort ist aber nicht wirklich viel Verkehr. Unbedingt wieder links halten, die grünen Taferln weisen aber den Weg. Hinter dem niedrigen weißen Haus mit dem roten Dach gleich rechts, ab hier ist Vorsicht Geboten. Zum einen teilt sich hier die Radroute, die Hundsheimer Berge Tour splittet hier ab, zum anderen sind die Tafeln schon ein wenig verwachsen. Bei dem schönen und recht neu aussehenden Brunnen mitsamt Bergula und Holzliegen vorbei und gleich wieder rechts, es sieht beim abbiegen wie eine Brücke aus. Nun befindet man sich auch schon im Anstieg auf Carnuntum. Für untrainierte mag es die Steigung in sich haben, obwohl es in diesem Gebiet insgesamt recht flach ist. Hat man sich hinauf gekämpft, wird an dafür mit einer Pferdekoppel belohnt, auf der sich bei Schönwetter auch Pferde befinden! Durchhalten, es lohnt sich! Danach geht’s wieder auf Schotterstraßen durch die Felder. Zwischen Weizen und Mohnblumen wird einem plötzlich und unweigerlich bewusst, dass diese Art zu reisen die schönste ist, die es gibt. Ob der Aussicht mit den fernen Windrädern, der Bahnstrecke gleich hinter den Feldern und dem Gräsernen Meer kommt, vor allem wenn man kurz vor dem Sonnenuntergang fährt, Vagabundenromantik auf. Allzu lange durchstreift man das Feld aber eh nicht. Schon wenige Minuten später fängt sich der Blick an den Weinstöcken an der linken Seite. Zuerst ist man sich nicht recht sicher, soweit entfernt wirkt der Wein noch. Kurz blinzeln, vielleicht trübt der Blick. Doch kaum öffnet man seine Augenlider, steht man auch schon vor den jungen Weinblättern. Rechts davon erscheinen schöne, römisch wirkende Häuschen. Der Wein ist um diese Jahreszeit ja noch im Babyalter und von seiner Flaschenreife genau so weit entfernt, wie Carnuntum von seinem Toskanischen Vorbild. Und dennoch fühlt man sich als ob man bereits zuviel davon gekostet hätte, wenn der Drahtesel unter einem plötzlich zum edlen Ross wird, und man sich fühlt wie Marc Aurel, nach Hause kommend von einer anstrengenden Schlacht. Rom ist hier allgegenwärtig und man findet sich genötigt die Karte oder GPS zu kontrollieren. Eventuell hat man sich ja doch verfahren. Oder ist mitten im Feld in ein Wurmloch geraten, welches durch Raum und Zeit führt? Nein, nein – es ist alles wie es sein soll. Hier wird Geschichte gelebt, man fühlt sich wirklich, als ob Marc Aurel gerade erst sein Lager aufgeschlagen hätte. Das ist gut so, und vor allem ist es wunderschön!

Einmal mehr findet man die schöne Radroute wunderbar ausgeschildert. Rechts durch die ruhige Seitengasse, links auf die Hauptstraße biegt man gleich wieder links ab in Richtung Bauhof – und fährt somit „Hint aus“ und nicht zwangsweise auf der Hauptstraße – ideal wenn man mit Kindern unterwegs ist.

Bis zum Haidentor kann man sich auch gut an die Beschilderung halten. Hat man das Vorgeschichtliche Monument dann einmal passiert, findet man sich zuerst abseits der Bundesstraße 9 und bald schon mitten in den Feldern, umzingelt von Windrädern wieder. Hier wird es dann auch ein wenig schwierig, den richtigen Weg zu finden und der Beschilderung zu folgen. Aber keine Angst, alle Wege führen nach Rom! Selbst wenn man sich, wie ich, in dem Feldern bei der dritten Richtungsänderung nicht mehr richtig Orientieren kann, folgt man der ungefähren Richtung nach Wien, man kommt schon wieder raus. Deswegen hab ich hier einen Notkniff angewandt. Zum einen ist es so kürzer, zum anderen verfährt man sich innerhalb der Felder nicht. Da ich alleine und zumeist an Wochenenden unterwegs bin, ist es für mich die angenehmere Lösung. Dies ist aber selbstverständlich kein muss, die Originale Strecke führt durch die Felder, ganz und gar abseits jeglichen Verkehres. Ich fahre hier geradeaus weiter, diese Strecke führt mich direkt zur B9. Und somit liegt ein kurzes Stück Bundesstraße vor mir.

Nach dem Gewirr von Radwegen verlässt man bei Haslau an der Donau die Felder und hat nun mehrere Möglichkeiten. Zunächst steht man an der B 9 neben dem Bahnhof Haslau. Der Eurovelo 6 führt direkt nach  Haslau, hinunter an die Donau, wo man mit einer (Fahrrad)Fähre übersetzen, und die Tour auf dem Nordufer beenden kann. Oder man biegt bei der nächsten Möglichkeit links ab. Durch die Verkehrsberuhigte Spielstraße, die in einer so gut wie nicht befahrenen Bundesstraße mündet, gelangt man nach wenigen Kilometern in die nächste Ortschaft, Maria Ellend, ein Marien-Wallfahrtsort. Dort wieder geradeaus, durch die Nebenstraße bis zum Gasthaus Römermaut, wo man über den Zebrastreifen die Straße quert, und vis-a-vis nach rechts auf den ab hier asphaltierten Radweg wechselt. Man wird bis fast Fischamend entlang der B9, kurz vor Fischamend neben der Eisenbahnstrecke geführt. Hier wechselt man wieder auf einen Feldweg, der aber mit nettem Umfeld belohnt. Nach einer kurzen, aber doch recht anstrengenden Steigung findet man auch eine kleine Kapelle mit romantisch anmuteten Bänken unter Bäumen, die zu einer kleinen Rast oder Brotzeit einladen. Folgt man den Weg weiter, findet man sich schon kurz darauf beim Anstieg auf den Rosenhügel wieder, ab dem man schon in Fischamend ist. Hier muss man ein kurzes Stück auf der Bundesstraße überbrücken, man kann aber gleich an der nächsten Kreuzung rechts einbiegen und entweder runter zur Donau, oder durch die beruhigten Nebenstraßen fahren. Da ich alleine unterwegs bin, fahre ich auf der Straße weiter bis zum beginn des neuen Radweges, welcher gegenüber der Tankstelle beginnt. Ab Fischamend ist der Weg wieder asphaltiert und bleibt dies auch bis Wien. Der Radweg führt nun über den Flughafen. Die ist der letzte Anstieg vor Wien. Das Stückchen am Ortsende von Fischamend geht ja noch gerade so und irgendwie. Danach folgt eh wieder eine Abfahrt, zuerst durch das kleine Industriegebiet der Zeppelinstraße, verlässt dann Fischamend direkt neben der B9, aber recht sicher hinter Leitpflöcken. Wie auch immer, viel zu schnell endet die Abfahrt, und man beginnt sich wie eine Bergziege zu fühlen. Dies ist der allerletzte Aufstieg.

An diesem Tag war Regen angesagt, anscheinend bin ich dem Wetter hinterher gefahren. Dennoch war es recht warm, wodurch der Au-Damm, auf dem ich in Mannswörth ein radelte, dampfte. Zum einen glücklich, endlich die, für mich immer noch super anstrengenden Aufstiege, endlich hinter mir gelassen zu haben, wurde ich zum anderen von dem dampfenden Radweg überrascht. Leider hab ich den Grinser, der sich auf meinem Gesicht einstellte nicht eingefangen. Aber ich schwöre, ich sah aus wie der Joker aus Batman! 🙂

Gleich danach biegen wir wieder links ab. Hier erblickt man nun das Storchennest. Und wir fahren gleich rechts in die Spielstraße. Ab hier ist die Radroute als Wien – Flughafen – Radweg ausgeschildert, und führt in seiner Gesamtheit bis zum Stephansplatz!So weit fahre ich aber nicht, ich bleibe dann doch in Schwechat!

Selbstverständlich kann man die Tour auch umgekehrt, also von Schwechat nach Hainburg fahren. Erscheint mir aber ein wenig anstrengender. Möglicherweise bilde ich mir das aber auch nur ein. Tour – Retour ist die Strecke dann, je nach gewählter Route knapp 100 Kilometer lang. Ungefähr die Strecke um den Neusiedler See, sofern man sich mit der österreichischen Route begnügt.

Schon wieder der Neusiedler See? 100 Kilometer? Was hat die Donauinsel da verloren? Fragen über Fragen, vielleicht werden sie ja beantwortet, in der nächsten Folge! Ihr müsst uuuuuuunbedingt kucken wie’s weitergeht!

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